Geschichte und Entwicklung von Okinawa-Karate

Karate entwickelte sich aus dem chinesischen Kung-Fu heraus auf den südlich von Japan gelegenen Ryukyu-Inseln, deren Hauptinsel Okinawa ist. Die Bewohner dieser heute zu Japan gehörenden Inseln standen mit dem chinesischen Festland in regem Handelsaustausch. Händler und Fischer, die für längere Zeit in China blieben, wurden dort in Kung Fu ausgebildet und brachten es dann in ihre Heimat, chinesische Gesandte in Okinawa bildeten Einheimische in den Kampfkünsten aus. Erste Einflüsse vermutet man um das 6.-7. Jh.

Vermischt mit einheimischen Selbstverteidigungstechniken entwickelte sich zunächst das Tode, vermutlich eine reine Form der Selbstverteidigung. Tode bezeichnet die Technik (Te) der T’ang (Tangdynastie steht symbolisch für China).

Um das 17. Jh. wurde Okinawa von dem japanischen Satsuma-Clan annektiert. Da die Inselbewohner sich nicht so einfach in ihr Schicksal fügten, sondern Widerstand leisteten, wurde ihnen das Tragen von Waffen verboten. Trotzdem gab es zahlreiche Zusammenstöße der japanischen Samurai mit den Okinawanern, so dass verständlicherweise die Kampfkünste, die auf Okinawa im Geheimen weiter geübt wurden, einen enormen Aufschwung erlebten. Die Einflüsse chinesischer Kampfkunst auf das Tode Okinawas verstärkten sich zu jener Zeit, woraus sich Okinawa-Te (Okinawa-Hand) entwickelte, der Ursprung aller okinawanischen Stile.

Okinawa-Te zeichnete sich durch seine Nahkampftechniken aus, die in Verbindung mit einem starken Stand ausgeführt wurden. Ziel der Techniken war, zu überleben, so dass alles Spektakuläre, wie hohe Fußtritte und weite Stellungen als Risiko angesehen wurden. Der Sinn der Technik lag nicht im Treffen des Gegners und dem damit gewonnenen Punkt wie im Sportkarate, sondern im Nutzen der Technik, das heißt in ihrer Wirkung, im Ausschalten des Gegners.

Durch die Verschmelzung des chinesischen Kung Fu mit einheimischen Techniken und die von den Chinesen verschiedene Mentalität der Okinawaner entstand eine eigene Kampfkunsttradition, die aber dem chinesischen Kung Fu stets eng verbunden blieb. Genauso wie in China betonten dabei einige Meister den kämpferischen Aspekt, andere die geistigen Inhalte der Kampfkunst.

Ab etwa 1700 entwickelten sich zwei Grundstile im Okinawa-Te: das Shorin-ryu, das vor allem in den Städten Shuri und Tomari geübt wurde und das Shorei-ryu aus der Stadt Naha. Später wurde Okinawa-Te dann in Kara-Te (Leere Hand) umbenannt. Ab etwa 1920 verbreiteten sich okinawanische Stile rasch in ganz Japan, beispielsweise Shotokan durch Meister Funakoshi und Goju-ryu durch Meister Mijagi. Das moderne Sportkarate hat sich erst später entwickelt und großen Anklang in unserer westlichen Welt gefunden. Oftmals werden inzwischen die geistigen Inhalte der Kunst des Kämpfens, sei dies Karate oder Kung Fu, stark vernachlässigt.

 

kumite4

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